Vorbild Natur
In Ihrem Kühlschrank steckt viel Biotechnologie. Sie sind erstaunt? Machen Sie ihn mal auf und nehmen Sie sich einen Joghurt. Er entsteht, wenn Milchzucker durch Bakterienkulturen in Milchsäure umgewandelt wird und das Eiweiß ausflockt. Dadurch wird die Milch zwar sauer, aber auch so dick, dass Ihr Löffel drin stehen bleibt. Die Kulturen produzieren ebenfalls Aroma- und Geschmacksstoffe und machen ihn länger haltbar. Ein anderes Beispiel für Biotechnologie könnte gleich neben Ihrem Joghurt stehen: Bier. Durch Brauprozesse wird aus der Stärke der Getreidepflanze Zucker, den Hefepilzen letztendlich durch Gärung in Alkohol umwandeln, um ihm so den typischen Geschmack zu geben.
Diese Verfahren zur Joghurt- und Bierherstellung sind schon seit der Antike bekannt. Der Mensch nutzt Mikroorganismen, um gezielt gewünschte Produkte herzustellen. Durch natürliche Auslese spezialisierte sich der Stoffwechsel dieser Organismen, um bestimmte Substanzen möglichst effizient herzustellen. Diesen ersten Schritt machte die Natur für uns. Im Laufe der Zeit lernte der Mensch aber, diese Organismen selbst so zu verändern, dass sie gezielt größere Mengen produzieren oder ganz neue Stoffe erzeugen. Dafür nutzt man zunächst klassische Züchtungsverfahren und später auch Methoden der Gentechnik.
Kleine Helfer im Alltag
Inzwischen sind biotechnologische Produkte weit verbreitet und verbessern die Lebensqualität der Menschen. Vitamine und Zusatzstoffe werden mit Hilfe der Biotechnologie gewonnen und unterstützen eine gesunde Ernährung für Mensch und Tier. Haushaltsprodukte wie Waschmittel sind heute wirksamer und umweltverträglicher, weil Enzyme Flecken entfernen können. Besonders anschaulich wird die Biotechnologie im medizinischen Bereich. Bereits heute spielen bei der Entschlüsselung von Krankheiten, der Entwicklung oder der Herstellung neuer Arzneimittel fast immer biotechnologische Verfahren eine Rolle. Wichtige Medikamente können damit in größerer Menge und Reinheit gewonnen werden – z. B. Insulin – oder decken so erst den Bedarf der Patienten.
Schonen, sparen, schützen
Mit Mikroorganismen werden viele Verfahren einfacher und wirtschaftlicher. Der Energieverbrauch kann wesentlich geringer sein, da viele „biotechnologische Helfer" bei Raumtemperatur und unter normalem Luftdruck arbeiten können. Außerdem geben sie sich mit einfachen Ausgangsmaterialien wie Zucker, Salzen, Sauerstoff und Wasser zufrieden. So werden wertvolle und nicht erneuerbare Ressourcen wie Erdöl geschont. Ein weiteres Plus: Es können weniger Nebenprodukte oder Abfallstoffe anfallen. Ähnliche Vorteile haben Nutzpflanzen, die man gentechnisch so verändert, dass sie als wertvolle Rohstoffe in der Industrie verwendet werden können.
Besonders in den letzten Jahren haben Wissenschaftler in der Biotechnologie durch gezielte Auswahl und Veränderung leistungsfähiger Organismen große Forschritte gemacht. Sie setzt sich in immer mehr Produktionsbereichen durch und ergänzt oder ersetzt sogar vollständig klassische chemische Verfahren.
Biotechnologie macht Zukunft
Die Biotechnologie bietet neue Verfahren und Produkte und ist dadurch natürlich auch wirtschaftlich interessant. Deutsche Firmen haben auf diesem Gebiet bereits große Erfolge erzielt – auch im internationalen Vergleich. Sie haben den Anschluss zu anderen führenden Nationen geschafft und verfolgen das Ziel, sich bis an die Spitze vorzuarbeiten. Für die junge Generation und vor allem für die Forschung heißt das: zukunftssichere Ausbildungs- und Arbeitsplätze und berufliche Perspektiven in Deutschland. Mittlerweile entfallen bereits mehr als 6 Prozent der Arbeitsplätze in der chemisch-pharmazeutischen Industrie auf Tätigkeiten im Bereich der Biotechnologie. Die Zahl von rund 28.000 Arbeitsplätzen könnte sich bei günstiger Entwicklung bis 2020 verdoppeln. Die deutsche Biotechnologie entwickelt sich zu einer erfolgreichen und gewinnbringenden Industrie mit Qualität „Made in Germany“. Es ist keine gewagte Schätzung, wenn man davon ausgeht, dass zukünftig 50 % aller pharmazeutischen Produkte aus biotechnologischen Verfahren stammen werden.