Die leuchtende Tapete
Wie wäre es, wenn Sie nach Hause kommen, das Licht anschalten und die Flurwand aufleuchtet? Wenn Sie im Wohnzimmer die Fernbedienung in Richtung Tapete halten und diese Ihren Lieblingsfilm zeigt? Oder die Zeitung nicht mehr auf Papier gedruckt wird, sondern als aufrollbares E-Paper mit bewegten Bildern in Ihrem Briefkasten liegt? Diese Vision rückt die OLED-Technologie in greifbare Nähe. OLEDs sind Organische Licht Emittierende Dioden. Sie bestehen aus einem hauchdünnen organischen halbleitenden Polymerfilm - ähnlich einer Kunststofffolie - aus der chemischen Industrie. Eingebettet zwischen einem transparenten Minuspol und einem Pluspol leuchtet dieser Film unter elektrischer Spannung von selbst und kann als großflächige Lichtquelle, als Monitor oder als TV-Bildschirm genutzt werden. In Displays von Elektronikgeräten wie Handys oder MP3-Player kommen sie heute schon zum Einsatz. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Potenziale dieser optischen Technologie erkannt. Zusammen mit Partnern aus Universitäten, Forschungsinstituten und aus der Wirtschaft fördert das BMBF deshalb die Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet organischer Leuchtdioden.
Stimmungsmacher Licht
OLEDs könnten unser Wohnen und Leben in Zukunft entscheidend prägen: Beleuchtungen auf der Basis von organischen Leuchtdioden bieten nämlich viele Vorteile. OLEDs sind flexibel und können wie eine Tapete im Raum verklebt werden. An eine Stromquelle angeschlossen, leuchten sie dann in gewünschten Mustern und Farben. Dabei strahlen sie ein flächiges, angenehmes Licht aus, das nicht so grell ist wie Glühbirnen oder Leuchtstoffröhren. So lassen sich mit OLEDs Wohlbefinden und Stimmungen - das sogenannte Moodlighting - erzeugen: an der Zimmerdecke funkelt ein romantischer Sternenhimmel oder im November erhellen frühlingshafte Wechselmotive auf einer Tapete verregnete Herbsttage. Noch sind solch stimmungsvolle Leuchtelemente allerdings Zukunftsmusik. Experten rechnen damit, dass die Technik in etwa 15 Jahren für eine breite Käufermasse erschwinglich sein wird. Auch erste Fernsehbildschirme auf OLED-Basis werden frühestens in drei bis vier Jahren auf dem Markt erhältlich sein.
Know-how für den Durchbruch
Damit die Zukunftsvision wahr wird, sind noch einige technische Probleme zu lösen. Die hängen mit den Materialeigenschaften der OLEDs zusammen. Hier ist das Know-how der Chemie gefragt. Insbesondere an der Lebensdauer muss noch gearbeitet werden, denn die hauchdünnen und biegbaren Polymerfilme sind empfindlich gegen Sauerstoff und Feuchtigkeit. Deshalb werden die Displays noch mit Glas verkapselt. Einem Einsatz als TV-Bildschirm stehen zudem noch die bisherige Leuchtstärke der Farben sowie die zu kurze Lebensdauer der Blau-Emitter im Wege.
Effiziente Energienutzer
Auch wenn es bis zur Marktreife für großflächige Lichtquellen oder TV-Bildschirme noch etwas dauert: Schon heute ist klar, dass OLEDs deutlich weniger Energie verbrauchen werden. Sie verwandeln Strom wesentlich effizienter in Licht. Das heißt: OLED-Leuchtmittel werden deutlich energieeffizienter sein als herkömmliche Glühbirnen und Energiesparlampen. In mobilen Geräten wie Laptops, Handys, Digitalkameras oder anderen werden die Akkus viel länger durchhalten. Künftig kann man also länger als bisher telefonieren, mobil im Internet surfen oder fotografieren.